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Europäische Städte sind erneut nicht auf extreme Hitze vorbereitet. Was jetzt getan werden muss, um die Lage sofort zu verbessern

Maßnahmen, mit denen sich europäische Städte vor extremer Hitze schützen lassen, sind Wissenschaftlern, Regierungen und der Wirtschaft bestens bekannt. Viele von ihnen funktionieren in einzelnen Ländern und Städten bereits erfolgreich. Doch warum bleiben diese Lösungen bis heute eher die Ausnahme als die Regel?

Quelle: Pexels

In den letzten Junitagen ging ein Video einer parodistischen Wettervorhersage im französischen Fernsehen durch alle sozialen Netzwerke: In der «Wettervorhersage für das Jahr 2050» wurden für Frankreich im August Temperaturen von bis zu 43 °C infolge des globalen Klimawandels angekündigt. Der Haken dabei ist, dass im Juni 2026 praktisch alle Städte des Landes diese Prognose mehrfach «eingeholt und übertroffen» haben. Was 2014, als diese Parodie entstand, noch wie ein Witz wirkte, wurde erschreckend schnell Realität.

Über diese Realität kann man heute sogar lachen: In London findet gerade eine Klimakonferenz statt, und am 25. Juni sollte eine Podiumsdiskussion über extreme Hitze stattfinden — sie wurde abgesagt, wegen extremer Hitze. Doch traurige Nachrichten gibt es viel mehr als komische. Die Folgen solcher Klimakatastrophen sind nicht nur der Tod von Menschen (allein 2025 etwa 62,7 Tausend Hitzetote in Europa) oder das abstrakte «Sinken der Arbeitsproduktivität»: Es geht auch um Blackouts, steigende Strompreise, schmelzende Straßen und sogar Schienen. Und auch der Rückgang der Arbeitsproduktivität ist keineswegs abstrakt: Die Arbeit von Kurieren, Bauarbeitern und Landwirten wird unterbrochen, Cafés und Geschäfte verlieren Einnahmen, Büros und Fabriken leeren sich dort, wo Arbeiten bei extremer Temperatur verboten ist.

Quelle: Netweather.tv

Auch die alltäglichen Folgen sind im Moment selbst sehr deutlich spürbar. So beschreibt etwa eine einfache Französin aus Bordeaux ihren Tag in einer Wohnung unter einem Dach ohne Isolierung: Bei 44 °C draußen sind es drinnen 47(!) Grad, alle Gegenstände und Oberflächen haben sich auf ±40 °C aufgeheizt, der Router ist ausgefallen, der Induktionsherd schaltet sich wegen Überhitzung nicht ein, und sogar die Kühlschranktür ist von innen warm geworden.

Und dabei berücksichtigen wir noch nicht einmal die langfristigen Folgen für Natur und Landwirtschaft, die neue Katastrophen auslösen können.

Wenn man dennoch die Fragen «Was tun?» und «Wer ist schuld?» für eines der betroffenen Länder stellt, zeigt sich: Was zu tun ist, wissen die Wissenschaftler sehr gut, ebenso viele Politiker und Unternehmer (und das wird durch zahlreiche Projekte bestätigt, die lokal umgesetzt wurden und ihre Wirksamkeit bewiesen haben); und schuld daran, dass angemessene Maßnahmen bislang nicht ergriffen wurden, sind vor allem die Bürokratien, die die Finanzierung von Umweltprogrammen einschränken.

Der Kern des Problems ist die Weigerung der Politiker, ihre Verantwortung für eine Katastrophe anzuerkennen, die keineswegs eine «Naturkatastrophe» ist, sondern durch konkrete anthropogene und sozioökonomische Faktoren verursacht wird.

Überhitzung als nicht zufälliges Zusammentreffen von Umständen

Europa erwärmt sich schneller als andere Regionen der Welt - das bestätigen auch die neuesten Daten für 2024-2026.

2024 wurde zum heißesten Jahr in der gesamten Geschichte der Wetteraufzeichnungen weltweit, doch besonders heiß war es in Europa. Im vorletzten Jahr überstieg die durchschnittliche Temperatur der Erdoberfläche das vorindustrielle Niveau um 1,5 °C — die größten Wetteranomalien wurden gerade in Europa registriert. Den Hauptschlag bekamen damals der Osten und Südosten des Kontinents ab (Temperaturen 2-3 °C über den Durchschnittswerten von 1991-2020; eine Rekord-Hitzewelle von 13 Tagen im Juli; eine anomale Zahl von Tagen mit «Hitzestress»), doch schon damals traf das blockierende Hochdruckgebiet, das diese Hitzewelle verursachte, auch einen großen Teil Deutschlands und Süditaliens.

Quelle: Copernicus.eu

Die Ursache der diesjährigen Hitze war ein ähnliches, aber in seiner Form anderes atmosphärisches Phänomen — der «Omega-Block», und er lag diesmal über Westeuropa — deshalb werden 2026 die wichtigsten Rekorde in Frankreich, Großbritannien und Spanien gemessen. Doch die geografischen Details sind hier zweitrangig: Ob Hochdruckgebiet in einer Region oder «Omega-Block» in einer anderen, die entscheidende Rolle bei den Klimakatastrophen in Europa spielt dasselbe anthropogene Ansteigen der Grundtemperatur. Genau das verwandelt jede, auch eine gewohnte, atmosphärische «Falle» in eine anomale Hitzewelle, die verschiedene Teile des Kontinents trifft. Europa macht außerdem noch die Tatsache besonders verwundbar, dass riesige Landmassen im Inneren des Kontinents ohne den ausgleichenden Einfluss der Ozeane auskommen müssen — und sich schon deshalb fast doppelt so schnell erwärmen wie der Rest der Welt.

Und die Folgen davon zeigen sich nicht nur in wirtschaftlichen Verlusten und übermäßiger Sterblichkeit. Eines der gefährlichsten und am wenigsten offensichtlichen Folgen des Klimawandels ist der Anstieg der Häufigkeit sogenannter komplexer Ereignisse (compound events), wenn zum Beispiel auf eine schwere Dürre eine Sturzflut folgt: Der während der Dürre ausgetrocknete und aufgerissene Boden verliert die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen — und wenn dann heftige Regenfälle niedergehen, führt das zu raschen Überschwemmungen, die zerstörerischer sein können als Dürre oder Flut jeweils für sich allein. Studien zeigen, dass die Zahl solcher Ereignisse in Europa bis zur Mitte des Jahrhunderts um etwa 35% steigen könnte.

Betonwüsten

Am stärksten von Hitze betroffen sind weltweit die Städte — eine Tatsache, die scheinbar offensichtlich ist und keiner langen Erklärung bedarf — doch gerade ihre wissenschaftliche Begründung macht deutlich, warum hohe Temperaturen Europa noch empfindlicher treffen als etwa die ebenfalls stark urbanisierten Gebiete der USA.

Das Phänomen, bei dem Städte sich deutlich stärker «aufheizen» als Vororte und ländliche Gebiete, wird UHI genannt (urban heat island — städtische Wärmeinsel). Beton und Asphalt in den Städten absorbieren und speichern Sonnenwärme — und je dichter Bebauung und Straßennetz sind, desto stärker werden die Wärmewellen gegenseitig reflektiert und abgestrahlt. Historische europäische Zentren mit ihrer dichten Bebauung, engen Gassen und hohen Häusern schaffen «städtische Schluchten», in denen die Wände der Gebäude die Wärme vielfach reflektieren — und die aufgeheizte Luft zwischen ihnen stehen bleibt. In amerikanischen Städten sind die Straßen in der Regel breiter, die Gebäude lockerer angeordnet — deshalb entstehen selbst dort, wo Hochhäuser allgegenwärtig sind, keine derart dichten «Schluchten».

Verschärft wird die Situation in Europa auch durch den historischen Status vieler Gebäude, der eine Rekonstruktion mit modernen «kalten» Materialien, die Sonnenstrahlung effektiver reflektieren, nicht immer zulässt.

Es gibt in Europa viele Möglichkeiten, der «Überhitzung» der Städte entgegenzuwirken — und dabei geht es nicht nur um Begrünung, zumal diese sich nicht auf das Pflanzen von Bäumen beschränkt: Neben der Ausweitung grüner Flächen hilft auch Fassadenbegrünung und sogar die Begrünung von Gebäudedächern, die Stadtluft abzukühlen. Während der Hitze in Athen etwa trug eine vollständige Begrünung der Dächer mit Gras dazu bei, die Lufttemperatur in der Stadt im Durchschnitt um 0,7 °C und an einigen Orten um mehr als 2 °C zu senken.

Darüber hinaus hat Europa Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Projekten hinsichtlich Anwendungsbereich und Maßstab gesammelt — zum Beispiel:

  • Reflektierende Fassaden als Hitzeschild: Untersuchungen an der Universität Sevilla zeigten, dass das Beschichten von Wänden mit speziellen ultrahoch emittierenden «kalten» Farben den Wärmestrom ins Gebäudeinnere bei der sommerlichen Spitzenhitze um 33-65% verringert. Solche Fassaden werden bereits eingesetzt in Südeuropa und verringern die Belastung von Klimaanlagen, ohne die Gebäudestruktur zu verändern.
  • Passive Kühlung für sozialen Wohnungsbau: In der spanischen Region Andalusien wurden bei der Sanierung von Mehrfamilienhäusern belüftete Dächer mit Verdunstungskühlung und nächtlicher Lüftung installiert. Dies reduzierte den Hitzestress bei den Bewohnern um 80% und den Bedarf an aktiver Klimatisierung um 70% und ermöglichte es, in heißem Klima praktisch auf Kompressionskühlung zu verzichten.
  • Gebäude als thermische Batterie: In Eindhoven (Niederlande) wurde ein digitaler Zwilling eines Gebäudes und ein «intelligentes» Steuerungssystem für Wärmepumpen entwickelt, das Wärme oder Kälte im Voraus speichert und dafür Solarenergie nutzt. Das senkte die Spitzenlast des Stromnetzes um 1 MW und reduzierte den Gesamtenergieverbrauch um 20-30%, während der Komfort für die Menschen erhalten blieb.
  • Bekämpfung städtischer Hitze auf Datenbasis: In Amsterdam, Gent und Novi Sad wurden städtische Wetternetzwerke aufgebaut, die die Temperatur in verschiedenen Bebauungstypen mit hoher Genauigkeit erfassen (local climate zones). Die Daten zeigten, dass die dichtesten Viertel nachts während Hitzewellen 6-9 °C stärker aufgeheizt sind als die Vororte. Auf Grundlage dieser Beobachtungen wurden in Amsterdam Karten des Hitzestresses und der Dienst «find-your-cool» für die Bewohner entwickelt sowie blau-grüne Dächer ausgebaut; in Gent wurden grüne Korridore und Fassadengärten zur Verstärkung der Belüftung geplant; in Novi Sad wurden Gründächer und vertikale Begrünung an den verwundbarsten öffentlichen Gebäuden installiert. Die drei Städte zeigten, wie Wetterdaten in gezielte, evidenzbasierte Anpassungsmaßnahmen übersetzt werden können — unter Berücksichtigung des lokalen Klimas und der Bebauungsstruktur.
  • Wärmepumpen gegen Netzüberlastungen: In Deutschland (Projekt ViFlex) und den Niederlanden (DACS-HW) wurden Hunderte Haushalts-Wärmepumpen zu virtuellen Pools zusammengefasst und zentral gesteuert. Das Ergebnis: Eine Reduzierung der abendlichen Spitzenlast um 10-25% ohne Einbußen beim Wohnkomfort, was kostspielige Erweiterungen der Netzinfrastruktur vermeidet.
  • Industriekälte für die Stadt: In Barcelona (Spanien) läuft ein zentrales Kühlsystem, das überschüssige Kälte (-160 °C) aus der Regasifizierung von verflüssigtem Erdgas im Hafen nutzt. Diese «kostenlose» Kälte (131 GWh/Jahr) wird über Netze an Büros, Krankenhäuser und sogar an den Stadtmarkt geliefert, spart Strom und senkt die CO₂-Emissionen um 32 Tausend Tonnen pro Jahr.
  • Schutz vor compound events: Systeme der «blau-grünen Infrastruktur» (blue-green infrastructure) — etwa die «Schwammstadt»-Projekte im polnischen Bromberg oder die Renaturierung des Flusses Emscher in Deutschland — spielen eine Schlüsselrolle beim Umgang mit Regenwasser und bei der Vermeidung von Überschwemmungen, indem sie Wasser zurückhalten, aufnehmen und den Abfluss verlangsamen.

Streit um Klimaanlagen

Abgesehen von der ständigen Diskussion über die Hitze selbst und ihre Folgen debattieren die Europäer in diesem Jahr in den sozialen Netzwerken besonders intensiv über den Einbau von Klimaanlagen in Wohnungen. Warum gibt es darüber so viele Streitigkeiten?

Der Grund ist, dass Klimaanlagen ein weiterer Faktor sind, der den berüchtigten UHI-Effekt in Städten verstärkt. Sie verwenden vor allem Kältemittel mit hohem Treibhauspotenzial und stoßen vor allem heiße Luft nach draußen. So kann der massenhafte Einsatz von Klimaanlagen in Paris nach Angaben von Studien zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur in der Stadt um bis zu 4 °C führen. Außerdem belasten sie die Stromnetze und «treiben» die Preise auf dem Energiemarkt in die Höhe: In Griechenland etwa führte einer der Julihitzeschläge im Jahr 2025 zu einem Anstieg der Strompreise um 45% an einem Tag und brachte das Energiesystem an den Rand eines Blackouts.

Der letzte Faktor führt dazu, dass die Debatte über Klimaanlagen auch als Streit über soziale Ungleichheit geführt wird. Die «privilegierten» Stadtbewohner, die es sich leisten können, ihre Wohnung mit einer Klimaanlage zu kühlen (und dies ständig tun, weil sie meinen, das schade der Stadt nicht), verschlechtern nicht nur die Gesundheit derjenigen, die sie nicht nutzen — sie wirken sich auch negativ auf die finanzielle Lage der ärmeren Bevölkerungsschichten aus. Denn der Preisanstieg auf dem freien Strommarkt in Zeiten des Spitzenverbrauchs schlägt sich so oder so in jeder Nebenkostenabrechnung nieder.

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Viele bewusste Europäer verzichten auf Klimaanlagen (oder «heben» sie sich nur für den äußersten Notfall auf) buchstäblich zum Wohl aller. Wissenschaftler schlagen vor, sie nur in Krankenhäusern, Schulen, Altenheimen und anderen Aufenthaltsorten besonders verwundbarer Bevölkerungsgruppen zuzulassen.

Hitze als Bedrohung für die Demokratie

Die Frage nach der Einführung alternativer Methoden zur «Abmilderung der städtischen Hitze» — von denen es sehr viele gibt, die funktionieren und die potenziell manche Menschen dazu motivieren können, auf Klimaanlagen zu verzichten, und andere davor bewahren, bei über 40 Grad zu sterben (und das im besten Fall im übertragenen und nicht im wörtlichen Sinn) — ist leider nicht nur eine wissenschaftlich-technische, sondern auch eine zutiefst politische Frage. Hitze lässt sich nicht nur «behandeln», sondern auch verhindern — und Fachleute haben Pläne, wie das gelingen kann — doch die meisten von ihnen «zerschlagen» sich in der Regel an Bürokratie und anderen rein politischen Phänomenen.

In Frankreich, das in diesem Jahr von der Wetteranomalie am stärksten betroffen ist, ist das deutlichste Beispiel dafür die Situation mit dem «Grünen Fonds» (Fonds vert), der zur Finanzierung von Klimaprojekten auf lokaler Ebene geschaffen wurde.

  • Das Budget des Fonds wird ständig gekürzt. 2023 betrug es 2 Milliarden Euro, 2025 bereits 1,15 Milliarden, und für dieses Jahr 837 Millionen. Außerdem beschloss die Regierung direkt nach der ersten Hitzewelle im Mai 2026, diesen Betrag um weitere 162,5 Millionen zu kürzen.
  • Die Chefin der französischen Grünen (Partei Les Écologistes) Marine Tondelier nannte dies die höchste Stufe von «Inkompetenz und Sturheit in die falsche Richtung». Die Abgeordnete einer anderen grünen Partei (Génération écologie) Delphine Batho nannte das Vorgehen der Regierung einen «Fachfehler» — genauer gesagt warf sie ihr völlige Untätigkeit vor: Die Regierung, so betont sie, habe «nichts geplant, nichts erwartet und nichts vorbereitet«, um die derzeitige Hitzewelle zu verhindern.
  • Batho betont, dass die Regierung sich auf einen veralteten «Hitzplan» von 2003 stützt, ohne ihn an die neue Realität anzupassen. Sie nennt Beispiele, in denen nach jeder Hitzewelle (insbesondere 2019 und 2022) keinerlei Konsequenzen gezogen wurden und das Land jedes Mal unvorbereitet war. Auch jetzt versucht die Regierung nicht einmal so zu tun, als handle sie vorausschauend: Eine interministerielle Sitzung zur Juni-Hitzewelle wurde erst fünf Tage nach Beginn der Krise einberufen.

Das Fazit zu den Maßnahmen französischer Politiker zieht eine Umweltexpertin in einem Artikel auf Mediapart: Statt in passive Kühlung (Begrünung, Änderung der Stadtplanung) und Gebäudesanierung zu investieren, werden dem Land im Wesentlichen nur vereinfachte Lösungen wie der Einbau von Klimaanlagen angeboten — oben wurde bereits erklärt, wozu das in einem Land wie Frankreich führen kann.

Für das «Vergessen» nach jeder Katastrophe und die Kürzung der Budgets kritisieren sowohl die Regierung als auch führende Klimaforscher — sie fordern, das Problem zu «politisieren» und den Politikern nicht zu erlauben, Verantwortung abzulehnen, und betonen zugleich: Anpassung ohne eine radikale Emissionssenkung ist zum Scheitern verurteilt. Die Grünen, insbesondere dieselbe Delphine Batho, fordern die Schaffung eines vollwertigen Ministeriums für Resilienz und zivile Sicherheit sowie die Verabschiedung eines Klimaanpassungsgesetzes mit einem Budget, das mit dem Wiederaufbau Frankreichs nach dem Krieg vergleichbar ist — bislang wurden diese Forderungen nicht gehört.

Ähnliche Probleme gibt es auch in anderen Ländern, die von der jüngsten Hitzewelle betroffen sind:

  • In Italien wurden schon 2013 viele wirksame Präventionsmaßnahmen abgeschafft — und das macht sich systematisch mindestens seit 2021 bemerkbar. Nach der Hitzewelle 2024 entfielen von den 62,7 Tausend hitzebedingten Todesfällen in ganz Europa auf Italien «Anti-Rekord»-19 Tausend. Die wirtschaftlichen Verluste allein durch die Hitzewelle 2025 werden auf fast 12 Milliarden Euro geschätzt. Während der aktuellen Hitzewelle hielten die Stromnetze in mehreren Städten der Belastung nicht stand, wofür der massive Einsatz von Klimaanlagen verantwortlich gemacht wird. Der nationale Anpassungsplan an den Klimawandel existiert eher auf dem Papier — seine Umsetzung stößt auf bürokratische und koordinative Hindernisse. Die Folgen, auch in Form von Hitzetoten, werden direkt mit sozioökonomischen Problemen verknüpft (zum Beispiel müssen Bauarbeiter bei Hitze arbeiten, um ihren Job nicht zu verlieren, und 60% der Schulen im Land haben keine ausreichende Isolierung) — doch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni leugnet diesen Zusammenhang lieber, indem sie sogar die Idee des Übergangs zu einer «grünen» Wirtschaft als «Extremismus» bezeichnet.
  • Im Parlament des Vereinigten Königreichs wurde die extreme Hitze dieses Jahres als «stiller Killer» (silent killer) bezeichnet — der Rettungsdienst meldet eine Rekordzahl von Einsätzen im Zusammenhang mit Dehydrierung und Atemproblemen. Wie in anderen Ländern wird hier zu dringenden Maßnahmen aufgerufen — gleichzeitig wird festgestellt: Die bestehende Infrastruktur «ist für ein Klima gebaut, das es nicht mehr gibt». Im Klimawandel-Ausschuss sagt man, der aktuelle Regierungsplan zur Anpassung «sei weit entfernt von dem, was nötig ist». Der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Umweltprüfung, Toby Perkins, fordert von der Regierung neben Sofortmaßnahmen Garantien dafür, dass neue Häuser unter Berücksichtigung künftiger Hitzewellen gebaut werden.
Quelle: Netweather.tv
  • In Deutschland kritisieren Politiker die Regierung dafür, dass sie inmitten der Hitze nur «gute Ratschläge» wie «trinken Sie mehr Wasser» gibt, statt echte Maßnahmen zu ergreifen. Bundestagsabgeordnete der Grünen verweisen auf das Problem überhitzter Krankenhäuser und Altenheime, in denen Patienten und Personal leiden, und fordern verbindliche Hitzeschutzstandards für alle Einrichtungen des Sozialbereichs sowie ein Investitionsprogramm zu ihrer Anpassung. Der Deutsche Landkreistag (DLT) erklärte bereits zuvor, dass es im Land keinen umfassenden und kohärenten Plan zum Schutz der Bürger bei Wetterextremen oder Stromausfällen gebe. Auch auf Ebene der Bundesländer gibt es Kritik am Fehlen einer Strategie zur Klimaanpassung — etwa von Seiten der Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein, wo (das ist die nördlichste Region Deutschlands, grenzend an Dänemark) die Lufttemperatur bereits über 35 °C gestiegen war.

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Europa befindet sich in einer paradoxen Lage: Es verfügt über Technologien, Pilotprojekte und sogar lokale Erfolge im Kampf gegen extreme Hitze — aber es fehlt der systematische Wille, diese Lösungen zur alltäglichen Norm zu machen.

Es hat keinen Sinn zu spekulieren, ob wirksamere Fassadenfarben oder intelligente Kühlsysteme entstehen werden — sie existieren bereits. Ihre Zukunft hängt jedoch davon ab, wie schnell die Staaten aufhören, jede neue Hitzewelle als weiteren «Überraschungsmoment» zu betrachten, und anfangen, vorauszudenken. Solange Innovationen punktuell eingeführt werden und die Finanzierung der Klimaanpassung gekürzt wird (wie in Frankreich mit dem Fonds vert), drohen Hitzetote nicht die Ausnahme, sondern die «neue Normalität» zu werden. Und für Politiker, die sich weigern, Verantwortung zu übernehmen, sollte das nicht folgenlos bleiben.

Das Problem ist hier tiefer als gekürzte Budgets oder bürokratische Verzögerungen. Wenn der Staat systematisch mit einer vorhersehbaren Bedrohung nicht fertig wird, die jedes Jahr Zehntausende Leben fordert, untergräbt das das Vertrauen in die Fähigkeit der Politiker, ihre grundlegenden Funktionen zu erfüllen.

Vor nicht allzu langer Zeit hat der Verkehrsminister in Deutschland die Probleme der Deutsche Bahn als Bedrohung für die Demokratie bezeichnet. Chronische Zugausfälle sind ab einem gewissen Punkt kein technisches, sondern ein politisches Phänomen: Wenn die Bürger Probleme solchen Ausmaßes sehen, stellen sie infrage, ob die Macht überhaupt in der Lage ist, Probleme zu lösen. Die Klimaanpassung ist eine Frage derselben Ordnung: Ohnmacht gegenüber der Hitze ist kein Ausfall der Schutzsysteme, sondern ein politisches Versagen. Bleibt zu hoffen, dass sich der Diskurs in Europa endlich in diese Richtung verschiebt und die Wetterkatastrophe nicht als gegeben, sondern als Herausforderung verstanden wird, die eine durchdachte, präzise Antwort verlangt. Andernfalls sind noch größere Katastrophen nicht mehr fern.

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