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Trump gab Russland 50 Tage Zeit für einen Waffenstillstand. Was passiert, wenn Putin nicht zustimmt?

US-Präsident Donald Trump hat endlich seine „Überraschung für Russland« verkündet. Das Wichtigste: Es gibt keine Drohung mit 500%-Zöllen für Länder, die russisches Öl kaufen und dabei die Ukraine nicht unterstützen. Es gibt einen 100%-Zoll auf den Handel mit Russland – allerdings mit Aufschub. An dieser Nachricht stieg der Moskauer Börsenindex freudig an. Aber wirklich Grund zur Freude gibt es nicht.

Bei einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte Trump, dass er „sehr, sehr« unzufrieden mit Russland sei und gestand, dass er viermal dachte, er habe einen Deal mit Putin abgeschlossen, sich aber herausstellte, dass Putin ihn betrogen hatte. Laut dem amerikanischen Präsidenten konnte Putin Clinton, Bush, Biden und Obama täuschen, aber Trump würde er nicht täuschen. Deshalb wird Trump, falls Russland in 50 Tagen das Feuer nicht einstellt, 100% Zölle auf den Handel mit Russland verhängen.

Die Drohung wirkt ehrlich gesagt nicht sehr überzeugend. Erstens sind 50 Tage eine hervorragende Frist für Putin, der zuversichtlich ist, bis zum Herbst seine Ziele zu erreichen und die Grenzen der vier „angeschlossenen« Regionen zu sichern. Zweitens war der russisch-amerikanische Handel auch zu besten Zeiten nicht besonders umfangreich, und jetzt ist der Handelsumsatz auf dem niedrigsten Stand seit 1992, in den Kriegsjahren um das Zehnfache gefallen – nur 3,5 Milliarden US-Dollar laut US-Handelsvertretung und 3,7 Milliarden laut russischer Schätzung. Ja, im März stieg er um das 1,5-fache, aber das sind immer noch winzige 573 Millionen US-Dollar, ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein 100%-Zoll, selbst wenn er eingeführt wird, wird weder die USA noch Russland wirklich treffen. Kein Wunder, dass der russische Aktienmarkt, der am Morgen wegen der Sanktionserwartungen gefallen war, mit einem Schlag um 2,75% anstieg.

Aber es ist noch zu früh zum Feiern. Erstens ist laut Trump nicht ganz klar, ob es sich um Zölle auf russische Waren handelt oder, wie NYT, FT und Bloomberg vermuten, er sekundäre Sanktionen gegen diejenigen meinte, die mit Russland handeln – und das wären sehr ernsthafte Sanktionen.

Zweitens verkündete Trump gleichzeitig seine Entscheidungen zur Waffenlieferung an die Ukraine, und hier gibt es eine grundlegende Veränderung. Urteilen Sie selbst.

Die USA werden der NATO „die modernsten« Waffen liefern, so Trump, und diese werden sie an die Ukraine weiterleiten. Hier steckt ein Trick dahinter: Formal verkaufen die USA Waffen an die NATO auf deren Anfrage. Die NATO kann dann entweder diese Waffen an die Ukraine liefern oder neue für sich behalten und der Ukraine ältere Waffen geben. Die USA können so nicht direkt beschuldigt werden, der Ukraine bestimmte Systeme zu liefern – zum Beispiel Raketen, die Moskau erreichen können. Formal liefert die NATO solche Raketen und andere Ausrüstung.

Was die USA auf jeden Fall liefern werden, sind 17 Patriot-Luftabwehrsysteme. Das ist sehr viel. Zum Vergleich: Deutschland hatte insgesamt 12 solcher Systeme, jetzt nur noch sechs, die Ukraine nur zwei. Es scheint, die massiven Bombardierungen Kiews haben Trump sehr beeindruckt. Dabei muss die Ukraine nicht einmal auf diese Lieferungen warten: Die NATO-Länder schicken ihre Systeme, und erhalten dann neue aus den USA.

Angesichts dieser Aussagen ist es sehr wahrscheinlich, dass die von Trump genannten 50 Tage Putin bei der Erreichung seiner Ziele nicht wirklich helfen werden. Vielleicht sogar das Gegenteil.

Drittens bedeuten Trumps Aussagen keineswegs, dass im Kongress nicht weiterhin ein Gesetzentwurf über 500%-Sanktionen gegen Länder, die russisches Öl und Uran kaufen, ohne die Ukraine zu unterstützen, behandelt wird. Vielmehr hat Trump diese Drohung als Druckmittel gegen Putin aufrechterhalten.

Viertens soll die EU morgen das 18. Sanktionspaket beschließen, und alles deutet darauf hin, dass darin eine „gleitende« Obergrenze für russisches Öl festgelegt wird – voraussichtlich bei 15% des Marktpreises.

Ich würde an der Stelle der Marktspekulanten und Telepatrioten nicht jubeln. Wie sagte Putin noch? „Wir haben noch nicht einmal angefangen.« Jetzt könnte Trump wohl seine Phrase wiederholen.

Auf dem Hauptfoto – US-Präsident Donald Trump trifft NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Oval Office. Quelle: Webseite des Weißen Hauses

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