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In der Türkei wurden bei Razzien gegen LGBTQ-Organisationen mehr als 100 Menschen festgenommen, 62 wurden in Untersuchungshaft genommen

In der Türkei laufen seit dem 13. September groß angelegte Razzien gegen LGBTQ-Organisationen und Aktivisten. Nach Angaben der britischen Zeitung The Guardian unter Berufung auf Menschenrechtsverteidiger wurden mehr als 100 Menschen festgenommen, 62 von ihnen kamen bis zum Prozess in Untersuchungshaft.

Am Sonntag fanden die Razzien gleichzeitig in Istanbul, Ankara, Izmir und anderen Städten statt. Die Polizei kam in die Büros von Organisationen, die die Rechte von LGBTQ-Menschen verteidigen und sich mit der HIV-Prävention befassen, in die Wohnungen von Aktivisten sowie in Nachtclubs und andere Lokale.

Der türkische Justizminister Akın Gürlek erklärte, dass die landesweiten Razzien und Festnahmen Teil der Operation der Behörden «Meine Familie ist in Sicherheit» geworden seien. Seinen Worten zufolge soll diese Kampagne «unsere Kinder, die Institution Familie und die öffentliche Ordnung schützen».

Die Behörden behaupten, dass ein Teil der von den Razzien betroffenen Organisationen mit der Verbreitung «unanständiger» Materialien in Verbindung stehe. Die Polizei erklärte außerdem, bei den Durchsuchungen Drogen und Waffen gefunden zu haben.

Unter den Festgenommenen befanden sich sieben Mitglieder der Führung von Kaos GL, einer der ältesten LGBTQ+-Menschenrechtsorganisationen in der Türkei. In Istanbul wurde im selben Fall der Verbreitung «unanständiger» Materialien die Journalistin Tuğba Tekerlek festgenommen; Anlass war ihr Text für Kaos GL über die Lage von LGBTQ-Menschen in Georgien.

Bei Human Rights Watch wurden die aktuellen Razzien als die größte Kampagne der Verfolgung von LGBTQ+-Menschen in der Türkei in den letzten Jahren bezeichnet. Das Vorgehen der Polizei löste in mehreren Städten Proteste aus: In Istanbul wurden etwa 150 Teilnehmer festgenommen, und in Izmir setzte die Polizei gegen Demonstranten Tränengas ein.

Quellen

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