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Reichen die Kanonenölvorräte aus? Ergebnisse des Treffens in Alaska aus wirtschaftlicher Sicht

Also, das Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin erwies sich als kurz, inhaltslos und seltsam. Einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front wird es nicht geben, der Krieg wird weitergehen. Bis zu einem Friedensabkommen oder bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag – das wird sich zeigen. Aber selbst wenn Russland genug Soldaten und Waffen hat, um den Krieg fortzusetzen, wird es genug Ressourcen haben, um die wirtschaftliche Stabilität ebenso lange aufrechtzuerhalten?
Lassen Sie uns gleich als Axiom annehmen, dass Putin selbst bereit sein wird, den Krieg auch bei einer schweren Wirtschaftskrise und einem Zusammenbruch des Finanzsystems fortzusetzen. Für ihn ist dieses Spiel jeden Einsatz wert, und Kiew ist nicht nur eine Messe, sondern sogar wirtschaftlicher Selbstmord. Die Frage ist nur, ob die Eliten oder ein Teil von ihnen bereit sein werden, dieses wirtschaftliche Harakiri zu stoppen – auf diese Frage kann man im Voraus keine Antwort geben. Konzentrieren wir uns also darauf, was eine solche Entwicklung für alle anderen bedeutet – für einfache Bürger und den zivilen Geschäftssektor.
Auf die Ergebnisse des Treffens in Alaska reagierte der russische Aktienmarkt mit einem ohrenbetäubenden Einbruch – und die Moskauer Börse hatte den Samstagshandel mit Futures und Optionen auf Aktien eindeutig in der Erwartung eingeführt, dass es Vereinbarungen und einen Anstieg geben würde. Ich wiederhole gern: Der Markt kann sich irren, aber er kann nicht lügen. Und der Kurssturz am Samstag zeigt: Der Markt nimmt die Ergebnisse des Treffens als äußerst negativ für russische Unternehmen und die russische Wirtschaft insgesamt wahr. Warum ist das so, wenn selbst die neuen Sanktionen, mit denen Trump drohte, laut seiner Aussage zumindest „um zwei bis drei Wochen verschoben« wurden?
Erstens bedeutet „verschoben« nicht, dass sie vom Tisch sind. Trumps Unberechenbarkeit bereitet allen Probleme, aber in diesem Fall hätte ehrlich gesagt selbst die Einführung der angekündigten Sanktionen weniger schaden können als die Ungewissheit über deren Einführung. Man könnte sagen: besser ein schreckliches Ende als ein Schrecken ohne Ende. Hätte Trump Sanktionen verhängt, hätten die russischen Ölfirmen in genau diesen drei, na gut, vier Wochen Umgehungsmöglichkeiten gefunden, um den Handel mit Indien und China fortzusetzen.
Eigentlich muss man gar nicht suchen, alles ist schon gefunden und bei anderen Sanktionen erprobt. Es gibt gute Preisnachlässe, man wählt Zwischenfirmen für die Abwicklung aus, die Bezahlung erfolgt über Kryptowährungen oder nationale Währungen, außerhalb des Dollarbereichs.
Tankerschiffe – „Illegale« – fahren entweder von fernöstlichen Häfen ab oder passieren die Ostsee unter Begleitung von Kriegsschiffen und/oder russischen Jagdflugzeugen. Das ist natürlich teuer, aber hier geht es um Prinzipien, und Öl, das im europäischen Teil gefördert wird, zum Fernen Osten zu bringen, ist auch nicht günstiger.
So wäre es auch geblieben, aber die verfluchte Ungewissheit schwebt als Damoklesschwert über den Ölfirmen, die jetzt eigentlich anfangen müssten, Pläne für das nächste Jahr zu machen. Und von ihren Plänen hängen auch die Parameter des Bundeshaushalts im Bereich der Öl- und Gaseinnahmen ab.
Das zweite Problem ist, dass die russische Wirtschaft im vierten Jahr des Sanktionsdrucks unter dessen Last langsam zu knistern beginnt. Bisher scheint nichts Bedrohliches zu passieren: Wie nicht nur die russische Zentralbank, sondern sogar das „unfreundliche« Bloomberg anerkennen, konnte man sogar eine Rezession vermeiden.
In Russland herrscht einfach Stagnation, die früher als Stillstand bezeichnet wurde. Aber hier und da tauchen Dinge auf, die erfahrenen Ökonomen das Herz gefrieren lassen.
Zum Beispiel das schnell wachsende Haushaltsdefizit, das selbst loyale Analysten der Zentralbank für das Jahresende auf mindestens 8 Billionen Rubel vorhersagen. Das sind 3,58 % des BIP – während weltweit als sicherer Wert 3 % gelten. Und nur um das Ausmaß des Problems zu verdeutlichen: Der Haushalt 2025 wurde mit einem Defizit von 1,2 Billionen Rubel (0,5 % des BIP) aufgestellt, und im Juni erhöhte die Staatsduma auf Bitte des Finanzministeriums dieses auf 3,8 Billionen Rubel (1,7 % des BIP).
Das Problem verschärft sich auch dadurch, dass es kaum Mittel gibt, das Defizit zu decken: Der Verkauf von Staatsanleihen durch das Finanzministerium läuft immer schlechter. Natürlich kann man Banker zwingen, das benötigte Volumen zu kaufen, aber das Problem ist, dass auch die Banken schon Schwierigkeiten haben, wie nicht nur Bloomberg, sondern auch der Kreml-nahe Think Tank ZMAKP berichten.
Es bleibt also die altbewährte Abwertung des Rubels – nicht umsonst hat die Regierung die Vorschriften zur verpflichtenden Devisenverkäufen der Exporteure bei ersten Anzeichen sinkender Inflation aufgehoben.
Auf steigende Einnahmen kann man nicht hoffen: Selbst Steuer-, Akzise- und Zollerhöhungen konnten den Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen nicht durch höhere Einnahmen aus anderen Sektoren kompensieren. Gleichzeitig sinkt die weltweite Ölnachfrage – vor allem in China und Indien, den wichtigsten Kunden des russischen Energiesektors.
Selbst wenn „Schatten«-Tanker mit russischem Öl weiterhin die Weltmeere durchqueren, werden die Einnahmen daraus immer geringer und die Ausgaben immer höher. Und das ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass das Damoklesschwert der Trump-Tarife die größten Importeure russischen Öls abschneiden könnte.
Vor diesem Hintergrund klang der IWF-Bericht, in dem Kasachstan Russland erstmals bei einem von Putin so geliebten Indikator wie dem BIP pro Kopf überholt hat, besonders laut und schmerzhaft. So laut, dass er eine viel ernstere Nachricht übertönte: Trotz der insgesamt vermiedenen Rezession befindet sich der zivile Sektor in genau dieser Rezession seit Jahresbeginn. Nur der Verteidigungssektor wächst, und das nur dank eines Budgetimpulses.
Einfach gesagt: Der Staat schaufelt eifrig Geld in den Kriegsofen. Dabei holt er das Geld von überall her, wo er kann: aus den „Reserven« des Nationalen Wohlfahrtsfonds, aus den Taschen der Bevölkerung und der zivilen Wirtschaft, indem er Schulden macht und seine eigenen Geldscheine entwertet. Aber das Ergebnis ist offensichtlich: Das Feuer brennt, der Ofen heizt auf, alle sind warm. Nur die Frage bleibt: Wie geht es weiter?
Vom Treffen in Alaska erwartete man eine Antwort, und angesichts der Delegationszusammensetzung sollte die Antwort unter anderem darin bestehen, einen Teil der Sanktionen aufzuheben und die geschäftliche Zusammenarbeit wiederherzustellen. Putin hatte im Vorfeld des Gipfels sogar einen Erlass unterzeichnet zur Rückkehr des amerikanischen Unternehmens Exxon in das Projekt „Sakhalin-1«. Das hätte dem zivilen Wirtschaftssektor große Erleichterung gebracht und dem russischen Haushalt bei der Steigerung der Einnahmenseite geholfen. Aber – es ist nicht geschehen.

