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Gibt es für Deutschland eine Alternative zum Faschismus nach dem Triumph der «Alternative für Deutschland»?

Nach dem Sieg der Ultranationalen bei den Parlamentswahlen in Sachsen-Anhalt schrieb der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Russischen Föderation, Kirill Dmitrijew, in seinem X-Account: «Ich freue mich darauf, gemeinsam mit der ‚AfD‘ – der beliebtesten Partei Deutschlands – eine großartige Zukunft aufzubauen». Die russischen Behörden unterstützen diese Partei tatsächlich schon seit Langem, und die Wahlen im Osten Deutschlands könnten das Ergebnis der Bundestagswahl beeinflussen. Allerdings keineswegs unbedingt zugunsten der AfD. 

Eine der führenden Politikerinnen der «Alternative für Deutschland», Alice Weidel, vor dem Slogan «Alles ist möglich». Bild aus dem Video: YouTube / AfD TV

Das Ergebnis der jüngsten Wahl zum Landtag von Sachsen-Anhalt, bei der die extrem rechte, moskaufreundliche «Alternative für Deutschland» (AfD) mit überwältigenden 43,8 % gewann, wirkte wie eine Bombe. Die Partei hat ihre Vertretung im Vergleich zur entsprechenden Wahl 2021 mehr als verdoppelt. Damals erhielt sie 20,8 % der Stimmen.

Was ist also passiert? Gehen wir der Sache auf den Grund.

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Das Land Sachsen-Anhalt im Zentrum Deutschlands ist mit 2,1 Millionen Einwohnern das bevölkerungsärmste aller 12 Bundesländer des Landes (zum Vergleich: Im westlichsten und bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen leben etwa 18 Millionen Menschen).

Wirtschaftlich gilt Sachsen-Anhalt jedoch als das ärmste Bundesland der Bundesrepublik. Während das BIP von Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024 bei 789,7 Milliarden Euro lag, betrug das BIP von Sachsen-Anhalt im selben Zeitraum 79,51 Milliarden Euro.

Beim BIP pro Kopf liegt Nordrhein-Westfalen bei etwa 44.000 Euro im Jahr, Sachsen-Anhalt bei etwa 38.000 Euro. Weniger, natürlich, aber nicht katastrophal – und das erklärt den explosionsartigen Popularitätsanstieg der extrem rechten «Alternative» nicht.

Die AfD entstand erst vor 13 Jahren und legte in rasantem Tempo den Weg vom absoluten Außenseiter zu einer Partei zurück, die bei den Landtagswahlen 43,8 % erreichte.

Eigentlich sollte man meinen, Deutschland habe nach dem Zweiten Weltkrieg alles getan, um den Faschismus in den Köpfen seiner Bürger zu vernichten. Darauf war jahrzehntelang das gesamte Bildungswesen und die Kulturpolitik ausgerichtet, sowohl in der BRD als auch in der DDR.

Sowohl Kindern als auch Erwachsenen (zum Beispiel Migranten in Integrationskursen) wird in Deutschland bis heute von den Schrecken des Faschismus erzählt, von den Morden an Millionen Juden in jener Zeit.

Auch das gesamte Rechtssystem ist gegen eine Wiederbelebung des Faschismus gerichtet. Für die öffentliche Rechtfertigung der Verbrechen des Hitler-Regimes werden in Deutschland echte Haftstrafen verhängt. Die Politik der Schuld wegen des Zweiten Weltkriegs ist keineswegs verschwunden.

Aber der Faschismus wächst wie Unkraut durch den Asphalt.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist, dass der Faschismus nicht mit Gaskammern beginnt. Mit ihnen endet er. Er beginnt mit einem Gefühl des Unbehagens, das der Durchschnittsbürger aus dem einen oder anderen Grund empfindet. Mit seinen Gedanken darüber, dass heute längst nicht alles so gut ist, wie es sein sollte. Aber wie schön war es doch früher! Seine Eltern, Freunde haben ihm davon erzählt, er hat irgendwo davon gelesen. Danach kommt der Gedanke auf – wie wunderbar wäre es, das schöne und große Gestern zurückzuholen.

Mit anderen Worten: Der Faschismus beginnt mit dem kleinbürgerlichen Mythos vom «goldenen Zeitalter». Wie schön wäre es doch, in die gute alte Zeit zurückzukehren, als die Bäume höher, das Gras grüner und der Himmel blauer war! Natürlich können wir das tun, aber Feinde hindern uns daran. Sie sind fremd, nicht unsere. Sie sind zugezogen und zerstören die gewohnte und richtige Ordnung unseres Lebens, schaffen Probleme, die es ohne sie nicht gäbe.

Es gibt auch äußere Feinde, mit denen die inneren natürlich verbunden sind. Sie spinnen Netze mit dem einzigen Ziel, uns zu versklaven und uns das zu nehmen, was wir besitzen. Sie nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg, parasitieren an unserer Güte...

Solchen Mythen ist in fast jedem Land immer ein bestimmter Teil der Bevölkerung verfallen. Diese Menschen bilden die Basis des Elektorats rechtskonservativer Parteien. Und diese nutzen solche Stimmungen stets aus.

Die Co-Vorsitzende der Partei «Alternative für Deutschland», Alice Weidel. Bild aus dem Video: YouTube / AfD TV

Man sollte nicht vergessen, dass der Faschismus politologisch gesehen ein rechter Konservatismus ist. In einer Situation relativer Stabilität wirken Menschen mit solchen Ansichten wie komische Rückwärtsgewandte. Aber irgendwann radikalisieren sich diese Menschen, und der gute alte rechte Konservatismus, gewürzt mit Revanchismus, postimperialen Komplexen und Xenophobie, verwandelt sich in Faschismus.

Damit solche Stimmungen breite Bevölkerungsschichten erfassen, braucht es einen Katalysator, einen Anstoß.

Das kann eine drastische Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage sein, ein massiver Zustrom von Migranten oder auch einfach nur von jemandem sorgfältig verbreitete Panikgerüchte und entsprechende Stimmungen.

In diesem Moment verlangen viele einfache und verständliche Antworten auf die Frage, warum das passiert ist.

Und rechte Politiker liefern den Bürgern die Antworten auf dem Silbertablett: Schuld sind die Juden, Migranten, innere und äußere Feinde.

Was von alledem ist im heutigen Deutschland vorhanden?

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In sozialökonomischer Hinsicht war und ist die BRD eines der wohlhabendsten Länder der Welt.

Der durchschnittliche Lohn im Land betrug im ersten Halbjahr 2026 5.558 Euro: das ist fünfmal mehr als zum Beispiel in Russland. Der Mindestlohn in Deutschland beträgt für 2026 2.400 Euro. Der tatsächliche Betrag nach Steuern liegt bei 1.700 bis 1.900 Euro. Der Mindestlohn in Russland beträgt in diesem Jahr 27.093 Rubel (270 Euro).

Es gibt keinen Mangel an Lebensmitteln in deutschen Geschäften. Die Inflation ist moderat und betrifft nicht alles. In den mehr als drei Jahren, die ich in Deutschland lebe, haben sich die Lebensmittelpreise hier kaum verändert. In meinem Warenkorb sind nur Käse, Walnüsse und Kaffee teurer geworden (etwa um 50 %). Dabei sind Walnüsse und Kaffee, wie leicht zu erraten ist, importierte Produkte; hier ist die Inflation das Ergebnis steigender Preise auf dem Auslands- und nicht auf dem Binnenmarkt.

Ja, es gibt das alte Problem der Einkommenssteuer. Sie ist für breite Bevölkerungsschichten – vor allem für die untere Schicht der arbeitenden Mittelschicht – zu hoch. Darüber wird seit Langem gesprochen, aber bisher ändert sich hier nichts. Die AfD hat dieses Problem übrigens in ihrem Wahlkampf aufgegriffen. Doch kaum dieser Punkt dürfte zu ihrem sprunghaften Popularitätsanstieg geführt haben.

Die Zahl der Migranten in Sachsen-Anhalt ist ungleich geringer als in anderen deutschen Bundesländern. Ja, und überhaupt ist das «Migrationsproblem» in Deutschland ziemlich relativ. Deutschland ist seit Langem ein Einwanderungsland. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es mehrere Migrationswellen nach Deutschland. In den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts kamen Hunderttausende Italiener auf der Suche nach Arbeit und höheren Löhnen ins Land. Heute leben in Deutschland 650.000 Italiener, ihre Kinder und Enkel.

Die nächste Welle waren türkische Gastarbeiter. Heute leben in Deutschland etwa 3 Millionen türkische Einwanderer und ihre Nachkommen. Viele Polen, Araber, Afrikaner, Afghanen und Iraner leben hier ebenfalls. Schon 2017 hatten von den 83 Millionen Einwohnern Deutschlands 18,6 Millionen einen Migrationshintergrund. Nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine näherte sich diese Zahl 20 Millionen – dank mehr als einer Million ukrainischer Flüchtlinge.

Dennoch ist die Migrationssituation nach meinen Beobachtungen heute besser als vor drei Jahren. Die Arbeit zur Integration von Migranten in die deutsche Gesellschaft wird hier systematisch und in sehr großem Umfang betrieben.

Wieso also hat die AfD in Sachsen-Anhalt solche überwältigenden Ergebnisse erzielt?

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Ich kann dieses Phänomen nur damit erklären, dass die Gesellschaft, in der wir leben, immer stärker zu einer Informationsgesellschaft wird. In dem Sinne, dass sich die Menschen dieser Gesellschaft in hohem Maße nicht an realen, sondern an virtuellen Problemen orientieren. Oft wirkt ein Ereignis, das im Fernsehen, auf dem Computer oder auf dem Handybildschirm gesehen wird, das nicht in ihrem Bundesland und nicht einmal in ihrem Land stattgefunden hat, aber apokalyptisch dargestellt wird, auf die Menschen viel stärker als das, was ganz in ihrer Nähe geschehen ist. Dieses Ereignis wird auf das eigene Leben übertragen und als brennendes Problem wahrgenommen.

Und hier eröffnen sich unglaubliche Möglichkeiten für Manipulationspolitiker wie Trump oder Putin.

Schon in den 90er Jahren verstand Putin: Wer das Fernsehen beherrscht, beherrscht das Land. Deshalb nahm er, sobald er im Jahr 2000 Präsident wurde, sofort die wichtigsten und dann auch alle übrigen Fernsehsender Russlands unter seine Kontrolle.

Heute, mit der weitesten Verbreitung des Internets, lässt sich diese Formel etwas anders ausdrücken: In wessen Händen die sozialen Netzwerke liegen, in dessen Händen liegt die Macht.

Der Einfluss auf die Köpfe der Menschen wird grenzüberschreitend. Wer Macht und/oder Kapital besitzt und diese Instrumente geschickt einsetzt, prägt das Bewusstsein von Millionen und Milliarden Menschen.

Ich denke, dass die Migrationskrise in Ceuta, der andauernde Krieg in der Ukraine, der Krieg in Gaza oder im Iran, entsprechend dargestellt, auf die Wähler in Sachsen-Anhalt einen viel größeren Eindruck gemacht haben als die Routine des innerdeutschen Lebens.

Die AfD wurde ganz offen von den extrem rechten Regimen, die derzeit auf beiden Seiten des Atlantiks an der Macht sind, gefördert, gepflegt und finanziell wie medial vorangetrieben.

In Amerika wird sie, wie bekannt, persönlich vom milliardenschweren Präsidenten Donald Trump und seiner gesamten Regierung der Milliardäre unterstützt, ebenso wie vom fast unbegrenzte finanzielle und mediale Möglichkeiten besitzenden, den Hitlergruß zeigenden Trillionär Elon Musk. Von Osten her wird die AfD unverhohlen vom Kreml unterstützt.

Vor Kurzem wurde bekannt, dass der KGB-Agent Wladimir Putin schon während seiner Tätigkeit in der DDR dort mit der Anwerbung von Rechtsextremen befasst war. Insbesondere warb er mit dem Ziel der Destabilisierung der Lage in der BRD einen der Führer der damaligen neonazistischen Bewegung Deutschlands, Rainer Sonntag, an. Außerdem schuf Putin mithilfe der Stasi damals ein Netzwerk von Informanten unter den Einwohnern Dresdens.

Es ist klar, dass seitdem viel Zeit vergangen ist. Sonntag ist ums Leben gekommen, doch die alten Verbindungen des sowjetischen Spions konnten sich selbstverständlich nicht einfach im Raum auflösen. Aus diesem Grund kann nicht ausgeschlossen werden, dass Putin an den Anfängen der Gründung der AfD stand.

Jedenfalls führte eine gemeinsame Recherche von Insaider und Spigel die Journalisten zu dem Schluss, dass Moskau auf die eine oder andere Weise einige Ausgaben der AfD finanziert habe.

Es ist überhaupt nicht überraschend, dass Vertreter der AfD, die in Deutschland im gesamten politischen Spektrum als nicht salonfähig gelten, im Juni 2026 auf dem Petersburger Wirtschaftsforum herzlich empfangen wurden.

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Um eine Regierung zu bilden, braucht die AfD, die 39 Mandate erhalten hat, noch drei weitere für die absolute Mehrheit von 42 Mandaten. Und Optionen gibt es für sie leider.

Erstens führen sie derzeit Verhandlungen mit den Christdemokraten von CDU/CSU, die laut der stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Bundestag, Beatrix von Storch, «sehr, sehr unzufrieden mit ihrer Partei» seien.

Zweitens zogen mehrere Mitglieder des von Die Linke abgespaltenen rechten Flügels, des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), in den Landtag ein, das in vielen Ansichten, insbesondere zur Migrationspolitik sowie zur Politik Putins, von der AfD kaum zu unterscheiden ist. Eine Koalition der Alternative mit ihnen ist also durchaus möglich.

Drittens hat die «Alternative» auch eine alternative Option. Wenn die Verhandlungen mit möglichen Überläufern aus CDU/CSU oder mit dem BSW scheitern, kann sie auf Neuwahlen setzen.

Laut BBC ist der Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, zuversichtlich, dass seine Partei in diesem Fall bereits die absolute Mehrheit erhalten werde.

Ähnliches könnte auch nach der Bundestagswahl geschehen, die, wenn nichts Außergewöhnliches passiert, 2029 stattfinden soll. Es ist unwahrscheinlich, dass die AfD dort ebenso viele Stimmen erhält wie bei der eben erst abgehaltenen Wahl in Sachsen-Anhalt, aber von 34 % – wie die Hitler-NSDAP im November 1932 – bis zu 40 % könnte sie kommen.

Anders ist die Lage, weil heute nicht 1933 ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der heutige Bundespräsident, der Sozialdemokrat Frank-Walter Steinmeier, den Weg des Reichspräsidenten Hindenburg gehen wird, der damals Hitler zum Kanzler ernannte, dessen Partei im Reichstag ebenfalls keine absolute Mehrheit erhalten hatte.

Die jetzigen Wahlen in Sachsen-Anhalt können zweifellos Einfluss auf das Ergebnis der Bundestagswahl haben. Allerdings keineswegs unbedingt zugunsten der AfD.

Den Schock über den Sieg der extrem Rechten in Sachsen-Anhalt haben Millionen Bürger Deutschlands erlebt. Und das kann sie dazu mobilisieren, aktiver für andere Parteien zu stimmen.

Außerdem können auf die für 2029 geplante Bundestagswahl Ereignisse aus der Außenwelt Einfluss nehmen, die in den kommenden sechs Monaten bis zu einem Jahr eintreten könnten.

Zum Beispiel eine mögliche Niederlage der Republikaner bei den im November anstehenden Wahlen zum US-Kongress. Diese Wahlen könnten weitreichende Folgen haben, bis hin zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump.

Oder etwa das Ende des Krieges in der Ukraine an der derzeitigen Frontlinie.

Letzteres würde die Niederlage des extrem rechten Putin-Regimes in Russland bedeuten, das heute die wichtigste Stütze der Wiederbelebung des Faschismus auf dem Planeten ist.

In diesem Fall würde die gewaltige braune Welle, die der russische Diktator in der ganzen Welt ausgelöst hat, abebben. Auch in Deutschland.

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